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Marokko: Es geht nicht ohne Meer!

Essaouira Marokko

 

Jedenfalls ging es nicht für mich ohne Meer. Und für meine Begleiter, meinen Vater und meine Stiefmutter, auch nicht.

Marrakesch, das hatte ich mir immer so bunt, so sonnig und irgendwie gemütlich vorgestellt. Dort angekommen musste ich die rosarote Brille abnehmen und es viel mir schwer die echte, reale Schönheit von Marokko zu erkennen. Ich sah kaum Farben, nur rostiges Rot und ich hörte nur den Lärm der großen Straßen in der Neustadt oder der Moppets in den Souks. Ich roch die Abgase oder Pferdepisse, die von den vielen Kutschen ausging. Ich hatte eine ziemlich schwarze Brille auf.

Die ersten Tage waren teilweise grau und windig, und ich fror in meinen 3/4-Hosen und in meiner Jeansjacke. Dazu kam, dass ich in mein typisches Urlaubs-Loch viel: die ersten vier Tage war ich einfach nur müde. Freizeit, daran muss man sich schließlich erstmal gewöhnen, nech.
Eigentlich hatten wir vor der Anreise daran gedacht, ein Auto zu mieten und in die Berge zu fahren. Schnell wurde uns klar, dass wir etwas ganz anderes brauchten: Meer! Das Meer – es hat eine magische Wirkung auf uns! Wenn wir Möwen und die Brandung rauschen hören ist alles gut. Wer braucht kulturelle Sehenswürdigkeiten, wenn man einfach jeden Tag in den Hafen spazieren kann, um das Getümmel um die Boote herum zu sehen, oder einfach ewig auf der Dachterrasse Tee trinken und auf das Meer gucken kann?
Wir kauften also drei Bustickets nach Essaouira und es ging los. Die Fahrt verbrachte ich, nach einer schlechten Nacht, wie in Trance in dem etwas abgewrackten Bus. Hin und wieder bemerkte ich, dass wir hielten und schaute mir die Leute in den kleinen Dörfern und Städtchen an, die unterwegs zustiegen, jemanden abholten oder etwas verkaufen wollten. Die karge Landschaft habe ich verpennt. In Essaouira angekommen dachte ich, hier soll es jetzt schöner sein? Nach einer Fahrt durch nichtssagende Neubauten hielten wir am Busbahnhof. Sandpisten, aufgerissene Bürgersteige, nicht vertiggestellte Bauten neben einem Markt unter Plastikplanen erwarteten uns. Ich hatte immer noch die falsche Brille auf.

 

Als wir durch das alte Stadttor schritten, lichtete sich das Bild ganz langsam. Keine Autos, nur hier und dort mal ein Mofa oder ein Eselkarren. Weiße Häuser mit blauen Fenter- und Türrahmen. Belebte Einkaufsgassen und ruhige Geheimgänge. Nette Cafès und irgendwie eine viel entspanntere Stimmung, als in Marrakesch.

 Erstmal was essen! Und dann in den Hafen. Hach, das fühlte sich gleich so gut an, den Wind im Haar, den Geruch des Meeres in der Nase und kreischende Möwen über uns. Es waren so viele, ein Wunder, dass uns keine auf den Kopf gekackt hat. Von der alten Festung aus knipsten wir das typische Postkartenmotiv und machten uns auf den Weg, ein Hotel zu suchen.

Essaouira Marokko

Wir sahen ein schnuckeliges Hotel direkt im Postkartenmotiv. Fragen kostet ja nichts  dachten wir uns, und gingen hinein mit der Überzeugung: „Dies wird uns zu teuer sein.“ Als wir dann die Preise hörten, haben wir ganz große Augen bekommen. Und als wir uns drei verschiedene Zimmer ansahen, wurden diese noch größer.

Wir wählten das teuerste Zimmer im dritten Stock mit Blick auf das Meer und zahlten jeder 20€ pro Nacht. Frühstück auf der Dachterrase inklusive. (Die Zimmer in den unteren Etagen waren günstiger.)

 Im Laufe der nächsten drei Tage hellte sich meine Brille immer mehr auf. Die Sonne lies Negativität aber auch keine Wahl, sie brutzelte mir schön die Stirn an, inklusive Sonnenallergie. Egal, es war wohlig-warm, sonnig und wir hatten das Meer. Wir schlenderten durch die Gassen, durch den Hafen, aßen in kleinen Restaurants, saßen lange zum Teetrinken auf der Dachterrasse des Hotels.

 

Als wir uns auf den Rückweg nach Marrakesch machten, bemerkte ich bereits eine Veränderung in mir. Ich sah aus dem Bus und betrachtete die Landschaft, die sich plötzlich und nur für einen kurzen Moment im Licht des Sonnenuntergangs lila färbte. Wie schön!

Der Busfahrer hatte wohl keine Lust, bis ins Zentrum zum Busbahnhof zu fahren. Jedenfalls lies er alle Fahrgäste auf einem Betriebshof am Stadtrand raus. Wir wussten nicht so recht wo wir hin sollten, in welche Richtung wir mussten. Also sprachen wir einen jungen Mann an, der mit seinem Handy telefonierte, wo es Richtung Jemaa el Fna geht, dem großen Platz der Gaukler, in dessen Nähe unser Hotel lag. Er sagte: „Follow me!“. Wir folgten ihm. Nachdem er aufgehört hatte zu telefonieren, fragte er uns woher wir kämen, erzählte, er habe einen Onkel in der Schweiz und brachte seine Deutschkenntnisse zum besten: „Isch liebe disch!“

Und von da an sah ich so viel mehr. Ich sah, wie hilfsbereit und aufgeschlossen die Menschen uns behandelten. Und nicht nur uns. Im Hafen von Essaouira fiel mir schon auf, dass die Fischer Tüten voll mit Fisch an Bedürftige verschenkten. In dem Restaurant neben unserem Hotel in Marrakesch holte ein Obdachloser jeden Morgen einen Beutel voll Brot ab. Selbst die Straßenkatzen bekamen noch etwas ab. Jeden Morgen fütterte sie ein Mann auf dem Platz vor der Koutoubia-Moschee mit Fleischresten.

Ich sah auch die Freude der meisten Händler, wenn sich endlich ein Tourist aufs Handeln einließ. Ich sah die Farben, bunte Schals und Leder-Poufs, und ich roch den süßen Duft der Orangenbäume. Und ich roch immer noch Pferdepisse hier und da. Aber ich hatte meine rosarote Brille wieder auf!

 

Latest comments
  • Wie schön du das geschrieben hast! ♥ Ich fühlte mich fast auch mit dort – toll.

  • <3 Aawww! Das ist schön!

  • Echt schön geschrieben! Und schöne Fotos:)

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